Winfried Kretschmann im e-mobil BW Kurzinterview „Baden-Württemberg elektrisiert – persönliche Erfahrungen mit Elektromobilität“

Ministerpräsident Winfried Kretschmann im Kurzinterview

Heute im Kurzinterview: Ministerpräsident Winfried Kretschmann. „Ich kann allen Bürgerinnen und Bürgern nur empfehlen, sich für einen Praxistest einmal selbst hinter das Lenkrad zu setzen.“ Der Ministerpräsident setzt auf attraktive Rahmenbedingungen für eine umweltfreundliche Mobilität.

e-mobil BW: Herr Ministerpräsident, Sie sind viel im Land unterwegs. Welche Rolle spielt dabei die Elektromobilität und welche Erfahrungen machen Sie persönlich dabei?

Winfried Kretschmann: Mein Dienstwagen verfügt über einen Hybridantrieb und fährt daher bereits heute Teilstrecken elektrisch, vor allem im Stadtverkehr. Außerdem bin ich bereits selbst mit rein elektrisch betriebenen Fahrzeugen gefahren und kann nur sagen: Die Autos fahren zuverlässig, sind leise und sparsam. Ich kann allen Bürgerinnen und Bürgern nur empfehlen, sich für einen Praxistest einmal selber hinter das Lenkrad zu setzen.

e-mobil BW: Baden-Württemberg ist eine Pionierregion für nachhaltige Mobilität. Welche Projekte und Aktivitäten kennen Sie aus Ihrem persönlichen Erleben?

Winfried Kretschmann: Ein echtes Musterbeispiel für eine gelungene Zusammenarbeit verschiedener Partner ist die erfolgreiche Etablierung von elektrisch betriebenen Autos beim Carsharing in der Region Stuttgart. Hier hat der Anbieter car2go gemeinsam mit vielen Partnern eine beeindruckende Flotte von 500 Elektro-Smarts auf die Straße gebracht. Die EnBW etwa hat mit Unterstützung des Landes hierfür den Aufbau einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur verwirklicht. Beim Startschuss von car2go im November 2012 konnte ich mich von diesem sehr gelungenen Projekt auch persönlich überzeugen und im wahrsten Sinne des Wortes beste „Erfahrungen“ mit den Elektroautos machen.

„Elektrofahrräder sind derzeit der Renner“

e-mobil BW: Welche Herausforderungen liegen Ihnen besonders am Herzen?

Winfried Kretschmann: Trotz aller Vorteile spielt die Elektromobilität bei Pkw derzeit noch kaum eine Rolle. Noch sind solche Autos teurer als herkömmlich betriebene Fahrzeuge, haben eine geringere Reichweite und die Ladeinfrastruktur ist trotz aller Anstrengungen lückenhaft. Hier müssen wir Lösungen finden auch durch attraktive politische Rahmenbedingungen. Es gibt jedoch auch ermutigende Beispiele: Elektrofahrräder etwa sind derzeit der Renner – sie sind umweltfreundlich, schnell und können auf manchen Strecken eine echte Alternative zum Auto sein. Die steuerliche Förderung für elektrische Dienstwagen muss außerdem endlich kommen – und ich begrüße auch die Diskussion über Kaufanreize für private Pkw. Mittlerweile hat sich ja schon die Bundesumweltministerin Hendricks diesem Thema angenommen. Die Krise bei VW sollte uns Ansporn sein, intensiver über alternative Antriebstechniken nachzudenken.

e-mobil BW: Wie soll im Jahr 2030 die mobile Welt im Ländle aussehen? Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Mobilität?

Winfried Kretschmann: Natürlich wünsche ich mir für das Jahr 2030 eine deutlich umweltfreundlichere und nachhaltigere Mobilität als heute. Eine Mobilität mit weniger Lärm, Staus und Abgasen sowie mit einem geringeren Treibstoffverbrauch. Dies ist insbesondere aus Gründen des Klimaschutzes notwendig – aber auch, um die Lebensqualität der Menschen zu erhöhen. Zudem wird die Mobilität intelligenter und vernetzter sein sowie mehr Sicherheit gewährleisten. Gerade hierfür bietet die Digitalisierung große Chancen und Möglichkeiten, die wir nutzen wollen. Dabei denke ich insbesondere an das autonome Fahren. Die Landesregierung unterstützt dies durch die Einrichtung des landesweit ersten Testfelds für autonomes und teilautonomes Fahren. Bei der Umsetzung des autonomen Fahrens liegen die Anforderungen natürlich nicht nur im technischen Bereich, sondern auch darin, das Vertrauen der Menschen in diese Technik zu gewinnen. Ferner werden die Bürgerinnen und Bürger vermehrt die Möglichkeit nutzen, unterschiedliche Verkehrsmittel zu kombinieren. Hierfür sollen Carsharing-Angebote, der öffentliche Personennahverkehr, Mitfahrgelegenheiten und E-Bike- und Pedelec-Flotten miteinander verzahnt werden.